Requiem / Daniel N. Seel

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REQUIEM
ein 5-Sekunden-Stück von Daniel N. Seel [2002]

Dauer: 5"

 

[UA: Lichthof der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe im Rahmen der Multi-Media-Veranstaltung "Minutes only", 18.01.2003]

Im Sommer 2002 stellten wir uns die Frage, ob es für einen Komponisten möglich sei, in einer enorm kurzen vorgegebenen Gesamtdauer seine musikalische Individualität überzeugend ausdrücken zu können, und das sogar mit einer von uns gewünschten Vorgabe. Alle Komponisten wurden vor die Aufgabe gestellt, ein Stück zu schreiben mit einer maximalen (!) Gesamtdauer von 5 Sekunden, "as cruel as possible, trash, hardcore, punk", für elektrifiziertes Akkordeon, E-Bass und Live-Elektronik, mit/ohne Stimme, Komposition, konzeptionelle Improvisation, Performance, CD-Zuspielungen. Dabei soll jedes der Stücke keinesfalls als Statement oder bloßer musikalischer Fingerabdruck des Komponisten zu verstehen sein, jedes der Stücke soll formal völlig individuell in sich abgeschlossen erklingen.

Und es funktioniert.

Daniel wollte schon immer in seinem Werkkatalog ein Requiem stehen haben. Jetzt hat er eins: für elektrifiziertes Akkordeon, E-Bass, Sprechstimme, Live-Elektronik und CD-Zuspielung.

 

Matthias R. Entreß sprach im Deutschlandradio Berlin am 16.12.2003 mit Daniel über das Stück:

MRE: Eine besondere Bedeutung hat für Seel sein 5-Sekunden Requiem, das er für INTERZONE PERCEPTIBLE schrieb. Das Stück (...) weist so viele Ungreifbarkeiten auf, daß man es als Zusammenfassung Seelscher Idiosynkrasien, als Umkehrung alles Früheren und als Schlußakkord ansehen könnte: Kürze einerseits, Nichtwiederholung der Elemente, Komprimierung und wiederum Parodie, von musikalischer Gewalt. (...)


DNS: Das Lärmige, das lieb ich auch irgendwo sehr. Der Lärm, im Gegensatz zur Stille, der hat genauso was Doppeldeutiges, der kann ungeheure Schönheit haben, so wie die Stille eine ungeheure Beengung und Ängstlichkeit oder Angst und den Schrecken darstellen kann, (...).

MRE: (...) Seine kompositorischen Ideen kreisen (...) derzeit um einen musikalischen Ausdruck, der von der sogenannten Neuen Musik kaum erreicht wird. In der Rockmusik hingegen werde, so sagt er, vieles über die klangliche Gestaltung ausgedrückt, (...)

DNS: (...) Solche Dinge wie z.B. NINE INCH NAILS oder MARILYN MANSON (...) oder auch RICHARD KERN (...) oder DAVID CRONENBERG, solche Leute interessieren mich einfach sehr. Wo es um anthropologische und existentielle Fragestellungen geht und auch in Abgründe geguckt wird, die wirklich unangenehm und bedrohlich sind.

 

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